Platzmangel, Raumgerangel und ein bisschen Kampf

Die Raum- und Gebäudepolitik der Unis wird immer wieder kritisiert – Was ist dran an Gerüchten über falsch geplante Uni-Gebäude und Privilegien bei der Hörsaalvergabe? Der UniStandard hat sich umgehört

von Ruth Eisenreich und Johannes Lau

Wien – Überfüllte Hörsäle, zu kleine Gebäude, über die ganze Stadt verstreute Institute: Die Raumplanung an den Universitäten ist für Studierende oft frustrierend und schwer nachvollziehbar. Verantwortlich gemacht wird dafür schnell “das Rektorat”. Doch hinter den Missständen an den österreichischen Universitäten stecken komplexe Probleme.

Die Uni Wien zum Beispiel kann als Innenstadt-Uni nicht einfach zubauen, wenn die Zahl ihrer Studierenden steigt. “2004 hatten wir 63.000 Studierende, jetzt haben wir 88.000. Das Geld ist aber nicht mehr geworden”, sagt der für Infrastruktur zuständige Vizerektor der Uni Wien, Johann Jurenitsch. Sein wichtigstes Ziel: die vielen über Wien verteilten Universitätsstandorte durch wenige große und nah beieinanderliegende zu ersetzen.

Das neue Gebäude in der Währinger Straße ist ein Beispiel dafür. Hier sollen 2012 die Informatik – die momentan über elf Standorte in sechs Bezirken verteilt ist – und die Publizistik einziehen. Doch es ist absehbar, dass das neue Gebäude wegen der unerwartet stark gestiegenen Studierendenzahlen bald zu klein sein wird. “Man muss nicht nur die Leute unterbringen, die schon da sind, sondern die neuen mit dazu. Noch zwei Jahre, und wir brauchen noch mehr Platz” , sagt Klaus Schönbach, Institutsvorstand der Publizistik.

Ähnliche Probleme gibt es beim Gebäude in der Sensengasse 3a, das Bildungs-, Sprach- und Vergleichende Literaturwissenschaft beherbergt. Alle drei Institute waren zuvor in sanierungsbedürftigen Wohnhäusern untergebracht. Der Umzug im Herbst 2010 stellte also eine Verbesserung dar, aber die Freude ist getrübt: Die Hörsäle im neuen Gebäude sind wegen ebenfalls gestiegener Studierendenzahlen zu klein. “Wir haben immer gesagt, man muss auch ein bisschen Reserve einplanen”, sagt Norbert Bachleitner, Abteilungsleiter der Vergleichenden Literaturwissenschaft: “Aber an Wachstum hat niemand gedacht” . Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, ermittelt die Abteilung für Raum- und Ressourcenmanagement derzeit in einem Rechercheprojekt die Vorschläge der Studierenden und Lehrenden zur Hörsaalorganisation.

Auch das Gerücht, dass bestimmte alteingesessene Lehrende bei der Raumverteilung bevorzugt würden, soll ausgeräumt werden: Laut Vizerektor Jurenitsch würden die Hörsäle mittlerweile nur im Hinblick auf die Auslastung und nicht nach traditionellen Vorrechten vergeben. Da sei bei den Instituten oft Überzeugungsarbeit notwendig, sagt Harald Peterka vom Ressourcenmanagement augenzwinkernd: “Auch wenn die Institute meist sehr kooperativ sind – manchmal ist es auch ein bisschen wie ein Kampf.”

Der Standard, 3.3.2011

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