Prekariat und Spaßgesellschaft: Die MayDay-Parade

Der Nachmittag des 1. Mai. Während am Ring längst wieder Straßenbahnen fahren und im Prater Line Dance vorgeführt wird, machen sich am Wallensteinplatz im 20. Bezirk Familien mit Kinderwägen und junge Menschen in bunter Kleidung ihren eigenen Maiaufmarsch. Zur MayDay-Parade versammeln sich seit zehn Jahren in ganz Europa Neue Selbständige, Projekt- und Leiharbeiter – all jene, die sich von der klassischen Arbeiterbewegung nicht vertreten fühlen.

Konkrete Änderungen bewirken würde die Parade wohl nicht, sagt eine Ökologiestudentin im Clownskostüm, aber sie wolle „ein Zeichen setzen“. Sie fürchtet, nach ihrem Abschluss selbst im Prekariat zu landen. Doch nicht alle Besucher sind wegen solcher Überlegungen gekommen. „Ich geh auf jede Demo“, sagt ein Mädchen mit Krone am Kopf, und ein junger Mann hat sich „wegen Japan“ als Sensenmann verkleidet. Was hat denn Japan mit dem Prekariat zu tun? „Dort sind jetzt auch alle arbeitslos. Zahlst mir ein Bier?“.

Falter, 4.5.2011

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