Hören wir Maria Fekter doch einmal genauer zu

Ich bin reichlich spät dran (ich schieb’s auf’s Auslandssemester), aber dieses Thema kann ich nicht unkommentiert lassen.

Vor etwa drei Wochen hat die österreichische Finanzministerin Maria Fekter wieder einmal für Aufruhr gesorgt – diesmal nicht mit Aussagen über Rehlein-Augen oder ähnliches, sondern mit einem höchst eigenartigen Vergleich.

„Wir bauen gerade enorme Feindbilder in Europa auf gegen die Banker, gegen die Reichen, gegen die Vermögenden. So etwas hatten wir schon einmal (…)“,

sagte sie und sprach dann im nächsten Satz über Juden und Kriege.

Dafür wurde sie auch prompt harsch kritisiert: Ihr Vergleich habe „auf übelste Weise antisemitische Stereotype bedient“ (Caritas-Direktor Michael Landau), sei „ein Hohn für die Überlebenden der Nazi-Gräuel und Angehörigen von Millionen von NS-Opfern“ (Verteidigungsminister Norbert Darabos), er komme „einer Herabwürdigung der Opfer nationalsozialistischer Hetze und Verfolgung und einer Verharmlosung von Antisemitismus gleich” (SOS Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak) und zeuge „entweder von einer historischen Unwissenheit, die einer Finanzministerin unwürdig ist, oder einer bewussten Instrumentalisierung des dunkelsten Kapitels der österreichischen Geschichte, um die Reichen vor gerechter Besteuerung zu schützen“ (Grünen-Chefin Eva Glawischnig).

Alles vollkommen korrekt.

Aber hat eigentlich auch jemand genau zugehört?

Hier ist der volle Wortlaut ihrer Aussage:

„Wir bauen gerade enorme Feindbilder in Europa auf gegen die Banker, gegen die Reichen, gegen die Vermögenden. So etwas hatten wir schon einmal. Damals war’s dann verbrämt unter „Gegen die Juden“, aber gemeint waren damals ähnliche Gruppierungen, und es hat zwei Mal in einem Krieg geendet.“

Verbrämt ist kein besonders häufiges Wort, daher schauen wir uns doch einmal an, was es genau bedeutet. Als Synonyme zu verbrämen nennt der Duden unter anderem die folgenden Worte: beschönigen, maskieren, schönfärben, schönreden, übertünchen, verharmlosen, verschleiern, bemänteln, herunterspielen.

Maria Fekter hat nicht “nur” einen “Vergleich zwischen Juden- und ‘Reichenverfolgung'” hergestellt oder “die Kritik an Banken mit der Judenverfolgung verglichen“. Sie hat nicht gesagt: „Damals war es gegen die Juden gerichtet“. Was sie gesagt hat, ist: “Damals war es verbrämt unter „Gegen die Juden“, aber gemeint waren damals ähnliche Gruppierungen“.

Im Klartext: Nicht die Juden waren die Feindbilder der Nazis, sondern Banker, Reiche, Vermögende und ähnliche Gruppierungen. Die Verfolgung von Bankern, Reichen, Vermögenden und ähnlichen Gruppierungen wurde verharmlost, maskiert, verschleiert, bemäntelt als Judenverfolgung.

Ich bin beeindruckt. Über Jahrzehnte hinweg haben Historiker die Ursachen beider Weltkriege und die Politik der Nazis falsch beurteilt; die Welt hat Maria Fekter gebraucht, um die Wahrheit zu erfahren. Feindbilder gegen Banker, Reiche, Vermögende und ähnliche Gruppierungen haben den Ersten Weltkrieg ausgelöst, und die Nazis haben nur so getan, als hätten sie etwas gegen Juden, während sie in Wirklichkeit doch Banker, Reiche, Vermögende und ähnliche Gruppierungen ausrotten wollten.

Gebt Maria Fekter einen Historikerpreis!

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