Der Preis ist kein Grund, auf Bio zu verzichten

Denn der Vergleich macht Sie sicher: Verglichen mit anderen Produkten sind Bioprodukte nur auf den ersten Blick teurer

“Bio ist immer so teuer!“ Dieser Gedanke ist fest in den Köpfen vieler Österreicher verankert – und für einige sogar ein Grund, auf biologisch hergestellte Lebensmittel zu verzichten. Der Aussage “Bioprodukte sind teurer als andere Produkte“ haben in einer Umfrage der Agrarmarkt Austria (AMA) aus dem Jahr 2010 sieben von zehn Befragten zugestimmt.

Ein Blick ins Supermarktregal bestätigt dieses Urteil zunächst. Da kosten biologisch angebaute Äpfel schon einmal das Dreifache, biologische Fusilli das Vierfache und Teebeutel mit Biosiegel gar das Sechsfache ihrer herkömmlichen Äquivalente.

Bei näherem Hinschauen zeigt sich aber: Das Urteil ist oft nur gerechtfertigt, wenn man die Biolebensmittel mit dem jeweils billigsten herkömmlichen Produkt vergleicht. Im Vergleich mit Markenprodukten hingegen schneiden Biolebensmittel oft sogar besser ab. So kostet das biologische Olivenöl bei Spar mehr als dreimal so viel wie die billigste dort erhältliche Sorte, aber nicht einmal halb so viel wie die teuerste.

Der Grund: Die meisten Lebensmittel mit Biosiegel in den Supermärkten stammen von Eigenmarken der Handelsketten, der Kunde zahlt also nicht für den Markennamen auf dem Etikett. “Ja! Natürlich“ ist eine Tochterfirma der Kette REWE, der unter anderem Billa und Merkur gehören; die Marke “Spar Natur pur“ trägt ihren Eigentümer schon im Namen.

Selbst die Diskonter leisten sich eigene Biolinien: Die Marken “Zurück zum Ursprung“ und “Natur Aktiv“ gehören zu Hofer, “Echt Bio“ zu Penny, “Bio Trend“ zu Lidl. “Der Boom der Bioprodukte in Österreich ist erst durch die Handelsketten entstanden“, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Weil diese viele verschiedene Produkte anbieten, für die sie gemeinsam werben können, würden sich Biolinien für sie eher auszahlen als für Markenhersteller, die meist nur einzelne Produkte im Sortiment hätten, vermutet Berkmann.

Insgesamt war die Preisdifferenz zwischen normalen und Bioprodukten im Jahr 2010 laut AMA trotzdem beträchtlich: zwischen 19 Prozent bei Milch und über 90 Prozent bei Erdäpfeln. Die höheren Preise seien ausschließlich durch die höheren Herstellungskosten bedingt, beteuert Spar-Sprecherin Berkmann. Biologisch angebaute Lebensmittel seien arbeitsintensiver, der Ertrag auf der gleichen Fläche geringer als bei herkömmlichen Produkten. Ein Kostenfaktor seien auch die Kontrollen, die ein Produkt durchlaufen muss, um ein Biogütesiegel zu bekommen. Die Bauern müssten die Kontrollen selbst bezahlen und würden die Kosten dafür an den Kunden weitergeben.

Trotz ihres Preises ist der Anteil von Bioprodukten an allen verkauften Lebensmitteln laut AMA von 2005 auf 2010 um mehr als ein Drittel gestiegen – von 5,4 auf 7,3 Prozent. Kein Wunder: Der AMA-Umfrage zufolge halten sechs von zehn Österreichern höhere Preise für Bioprodukte für gerechtfertigt.

Falter, Beilage Biofrühling, 18.5.2011

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