Die rosa Antikapitalisten und ihre Feinde

Die Aufregung um das Café Rosa wirft Licht auf die Probleme der Österreichischen Hochschülerschaft

So viel Aufregung gibt es selten, wenn ein Café seine Öffnungszeiten ändert. Sämtliche großen Tageszeitungen und der ORF berichten, die FPÖ verfasst gar eigens eine leicht skurrile Presseaussendung.Was ist passiert? Die grün-rot-kommunistisch regierte ÖH Uni Wien hat 443.000 Euro – ein Viertel ihres Jahresbudgets – in ein Caféinvestiert, das sich nach weniger als einem Jahr als unwirtschaftlich erwiesen hat.Bei 91.000 Studenten der Uni Wien macht das knapp fünf Euro pro Student. Zum Vergleich: Im Jahresvoranschlag 2011/12 der Bundes-ÖH waren 272.000 für Tutorien und 239.000 Euro für die Unterstützung von Studierenden in finanziellen Notlagen eingeplant.

Die Ansprüche an das Café Rosa in der Währinger Straße, nur wenige Minuten von der Uni entfernt, waren hoch: Es sollte nicht nur ein Raum sein, in dem Studierende sich ohne Konsumzwang zu Referatsbesprechungen treffen können, sondern auch als Veranstaltungsort dienen, barrierefrei sein, billige und “ökologisch nachhaltig produzierte“ Speisen und günstigen Fair-Trade-Kaffee anbieten und den Mitarbeitern hohe Löhne zahlen.

Das klingt nach der Quadratur des Kreises, und wenig überraschend ist die der ÖH nicht gelungen. Anfang März wurde bekannt, dass das Café finanzielle Schwierigkeiten hat. Die Umsätze waren niedriger als geplant, unter anderem, weil eine Schanigarten- und eine Küchengenehmigung, mit der die ÖH gerechnet hatte, doch nicht erteilt wurden; dazu kamen unerwartete Ausgaben und Organisationsprobleme.

Das Café wird nun von ehrenamtlichen Mitarbeiten mit verkürzten Öffnungszeiten betrieben, in Zukunft soll es als Kooperation mit einem Gastronomen weitergeführt werden. Die ÖH soll dann inhaltlich mitreden können, sich aber nicht mehr um die Wirtschaftlichkeit des Cafés kümmern müssen, erklärt Jakob Zerbes, der in der ÖH Uni Wien für das Café Rosa zuständig ist. Wie genau diese Kooperation funktionieren soll, will man nicht erklären, “um die Verhandlungen nicht zu stören“. Es gäbe aber bereits mehrere Interessenten.

Dass das Café Rosa mit Rücklagen der ÖH Uni Wien unterstützt wurde, die sich durch Beiträge der Studenten – 16,50 Euro pro Semester – finanziert, hat für Ärger bei der Opposition gesorgt. “Vergeudet“ für “rot-grün-kommunistische Politpropaganda“ sei das Geld worden, kritisieren die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft (AG) und der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), die ihre Prophezeiungen, das Café werde nicht funktionieren, erfüllt sehen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Als Betreiber des Cafés Rosa fungiert der Verein zur Förderung der Emanzipation von Studierenden, den die ÖH Uni Wien eigens zu diesem Zweck gegründet hat – für Julia Kraus vom ÖH-Uni-Wien-Vorsitzteam aus politischen, juristischen und steuerrechtlichen Gründen die bestmögliche Konstruktion, für die AG eine “Verschleierungstaktik“.

Der RFS hat nun eine Anzeige wegen Untreue gegen zwei der Verantwortlichen eingebracht. Die ÖH Uni Wien versteht die Vorwürfe nicht: Man habe der Opposition mehrmals angeboten, dem Verein beizutreten und so Einblick in die Finanzen zu bekommen.

Die ÖH Uni Wien hat nun ihre Ausgaben für das Café Rosa offengelegt. 165.000 Euro zahlte sie für die Ablöse des Lokals inklusive Einrichtung, 80.000 Euro für den barrierefreien Umbau – für nachhaltige Investitionen also. 125.000 Euro wurden für Personalkosten, Wareneinkauf und Ähnliches ausgegeben, der Rest für Miete, Strom, Gas, Gebühren und Maklerprovision. Verloren sei das Geld nicht, sagt die ÖH, man wolle das Café ja weiterführen.

Mindestens ebenso sehr wie die finanziellen Probleme scheinen viele Kritiker jedoch die politischen Grundsätze des Cafés zu empören: Als “antisexistisch, progressiv, antirassistisch, antifaschistisch, antiklerikal, antiheteronormativ, antikapitalistisch“ definiert sich dieses unter anderem. Für AG, Junge Liberale und RFS von Anfang an ein Grund für Häme: Von “ideologischen Zugangsbeschränkungen für Besucher“ spricht die AG.

Die Affäre sagt daher nicht nur über die wirtschaftliche Kompetenz der linken ÖH-Wien-Exekutive einiges aus, sondern auch über die ideologischen Grabenkämpfe in der ÖH. Zwei Lager stehen sich hier gegenüber: Das eine sieht die ÖH als reine Serviceeinrichtung, das andere will auch – linke – Gesellschaftspolitik machen.

Die Fronten sind verhärtet, beide Seiten beschuldigen einander, ihre Arbeit nicht ernst zu nehmen. Die Grünen und Alternativen Studentinnen würden in den Sitzungen häkeln, heißt es; die AG-Mandatare würden währenddessen lautstark über das Aussehen der ÖH-Frauen diskutieren.

Die Probleme des Cafés Rosa sind nun Wasser auf die Mühlen derer, die die ÖH angesichts der Grabenkämpfe und niedrigen Wahlbeteiligungen immer schon als “Politkindergarten“ verhöhnen, ihre Verdienste ignorieren und eine Abschaffung der ÖH oder der verpflichtenden Mitgliedschaft verlangen. Die im europäischen Vergleich mächtige ÖH wird dadurch geschwächt. Das schadet allen Studenten.

Falter, 21.3.2012
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