Die Gutbanken

Immer mehr Menschen sorgen sich darum, was auf der Bank mit ihrem Geld geschieht – ethische Banken füllen diese Nische

Atomkraftwerkbetreiber, Waffenhersteller und Firmen, die Kinder ausbeuten: Kaum jemand will solchen Unternehmen Geld in die Hand drücken. Doch wer ein Konto bei einer großen Bank hat, tut indirekt möglicherweise genau das.

Seit einigen Jahren erkundigen sich mehr und mehr Menschen vor der Kontoeröffnung nicht nur nach Laufzeit und Zinsen, sondern auch danach, was zwischen Einzahlung und Abhebung mit ihrem Geld geschieht – und das Angebot für sie wächst. In vielen Ländern gibt es mittlerweile alternative Banken, in Deutschland etwa die GLS (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken), die Umweltbank, die niederländische Triodos Bank, die katholische Steyler Bank und die Ethikbank, einen Zweig einer ostdeutschen Volksbank.

Sie alle investieren die Gelder ihrer Kunden ausschließlich in Unternehmen und Staaten, die gewisse ethische Kriterien erfüllen. Wer will, kann außerdem einen Teil seiner Zinsen an Umwelt- oder Sozialprojekte spenden. Grundsätzlich aber muss, wer ethisch investiert, nicht mit Renditeverlusten rechnen, beteuern die Banken.

Noch ist der Marktanteil der nachhaltigen Banken verschwindend gering, in Deutschland liegt er bei unter einem Prozent. Doch die Banken wachsen nach eigenen Angaben um bis zu 36 Prozent pro Jahr, nicht zuletzt weil die Finanzkrise viele Menschen den Großbanken gegenüber misstrauisch gemacht hat. Im Laufe der nächsten Jahre könnte nachhaltiges Banking jenen Weg vom Nischenprodukt in den Mainstream gehen, den Bioessen und Ökostrom bereits eingeschlagen haben.

In Österreich ist das Angebot noch mager. Wer eine auf Ethik und Nachhaltigkeit ausgerichtete Bank sucht, muss sich an GLS oder Ethikbank wenden; sie haben je etwa 400 österreichische Kunden.

Zwar bieten mittlerweile auch die meisten großen Banken Ethikprodukte an, “aber das ist eine opportunistische Ethik“, sagt Ulrich Thielemann, Direktor der Denkfabrik für Wirtschaftsethik in Berlin: “Wichtig ist, dass das Geschäftsmodell im Ganzen ethisch fundiert ist – dass die Bank ethische Kriterien höher bewertet als das Prinzip der Gewinnmaximierung.“

Am ehesten erfüllt das hierzulande die Privatbank Schelhammer und Schattera, die zu 85 Prozent der katholischen Kirche gehört. Sie bietet spezielle Ethiksparbücher und -fonds an, Vorstand Peter Böhler beteuert aber, dass auch bei anderen Produkten ethisch gehandelt werde – und dass die Bank ihre seit Jahren in der Kritik stehende 5-Prozent-Beteiligung an den Casinos Austria “längerfristig“ aufgeben werde.

2013 oder 2014 soll ein weiteres Projekt an den Start gehen: die “Demokratische Bank“, initiiert von Attac-Mitbegründer Christian Felber. Sie soll nicht gewinnorientiert arbeiten, Kredite nach sozialen und ökologischen Kriterien vergeben und alle Entscheidungen demokratisch treffen.

Doch eine Bankengründung ist teuer und aufwendig. Das musste etwa die deutsche GLS erfahren: Sie gab ihre Pläne, nach Österreich zu expandieren, auf.

Ausgerechnet jene Finanzkrise, deretwegen sich immer mehr Bürger von den Großbanken abwenden, könnte nun die Gründung alternativer Banken erschweren: “Seit Beginn der Krise bemüht sich die Finanzmarktaufsicht um eine bessere Regulierung“, sagt der Wirtschaftsethiker Klaus Gabriel. “Deshalb hat sie kein Interesse an einer größeren Bankenlandschaft.“

Falter, 16.8.2012

Das sind die Guten:

www.demokratische-bank.at
www.ethikbank.de
www.gls.de
www.schelhammer.at
www.steyler-bank.de
www.triodos.de
www.umweltbank.de

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