Mietpreisdeckel oder Marktwirtschaft?

Maria Vassilakous Vorschlag, Wohnungsmieten zu begrenzen, erregt Aufsehen. Ein (paralleles) Streitgespräch.

Friedrich Noszek, im Hauptberuf Immobilienverwalter, ist Präsident des Zentralverbands Haus und Eigentum in Wien.

Falter: Herr Noszek, was sind die größten Probleme, die Hausbesitzer mit Mietern haben?

Friedrich Noszek: Das Eintrittsrecht, das oft zu Unrecht behauptet wird. Wenn der Ehegatte oder die Kinder einziehen wollen, ist das ja verständlich, aber teilweise sind das schon die Urenkel. Dadurch gibt es eine Zweiklassengesellschaft: Wenn in einem Haus ein paar Altmieter mit geschütztem Minimalzins und ein paar Neumieter leben, zahlen die Neumieter mehr für die Hauserhaltung. Unter diesem System leiden vor allem die jungen Leute, die Wohnungen suchen.

Was ist beim Mietrecht Ihr dringendster Wunsch an den Gesetzgeber?

Noszek: Dass man die Ungerechtigkeiten der Zweiklassenmieterschaft allmählich abschafft. Außerdem sollte man die Kategorie D streichen. Wenn ich für eine 30-Quadratmeter-Wohnung nicht einmal 30 Euro bekomme, kommt die Wohnung gar nicht auf den Markt – dabei gibt es genug Menschen, die so eine Wohnung wollen und bereit sind, dafür 70 Euro zu zahlen.

Was halten Sie vom Vorschlag einer Mietpreisdeckelung?

Noszek: Kurz gesagt: nichts. Man hat den Eindruck, dass da eine wenig informierte Person populistisch Wahlkampfstimmung erzeugt. Von so einer Regelung wäre nur eine Minderheit betroffen. Und wenn Sie von sieben Euro brutto ausgehen und Mehrwertsteuer und Betriebskosten abziehen, dann sind Sie um etwa 30 Cent unter dem derzeitigen Richtwert für Kategorie A. Eine Mietwohnung im ersten Bezirk um sieben Euro, das gäbe einen Ansturm …

Die privaten Wohnungsmieten in Österreich sind im letzten Jahrzehnt um rund 40 Prozent gestiegen. Wie lässt sich das rechtfertigen?

Noszek: Erstens sind die Baupreise davongaloppiert, zweitens sind die Ansprüche massiv gestiegen. Es werden möglichst perfekte Wohnungen gewünscht – das ist gerechtfertigt, kostet aber eben auch. Wenn wir Altmietwohnungen, wo betagte Leute raussterben, auf die Kategorie A anheben, kostet die Sanierung mindestens 500 Euro pro Quadratmeter. Natürlich ist der Mietzins dann auch höher.

Falter, 21.11.2012
Das parallele Interview mit Georg Niedermühlbichler, dem Präsidenten der Mietervereinigung, gibt es auf Joseph Gepps Blog zum Nachlesen

Advertisements
Mietpreisdeckel oder Marktwirtschaft?

One thought on “Mietpreisdeckel oder Marktwirtschaft?

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s