“Hier gibt es nichts mehr zu sehen“: Über die letzten Tage des BZÖ im Parlament

In den Klubräumen des BZÖ sind Journalisten nicht mehr willkommen. Aus dem Telefonhörer, den der Parlamentsportier der unangekündigten Besucherin hinhält, erklingt die Stimme einer Mitarbeiterin: “Hier gibt es sowieso nichts mehr zu sehen, es stehen nur noch Schachteln herum.“ Sie und ein paar Kollegen seien gerade am Aufräumen, Abgeordnete seien keine da. Die Dame übergibt den Hörer an Heimo Lepuschitz, laut Parteiwebsite Immer-noch-, laut Twitterprofil Nicht-mehr-Pressesprecher des BZÖ. Es hätten mehrere Medien angefragt, sagt Lepuschitz, aber “zum Schutz der Mitarbeiter“ lasse man niemanden herein. Ist auch irgendwie verständlich: Wer lässt sich nach einer Niederlage schon gern beim Aufkehren der Scherben beobachten?

Knapp drei Wochen ist es her, dass das BZÖ zwei Drittel seiner Stimmen verlor und mit 3,5 Prozent aus dem Nationalrat flog. Seitdem ist die Partei in Auflösung begriffen. Kurz nach der Wahl trat Parteichef Josef Bucher zurück, bald darauf wurden mit Stefan Petzner und Ewald Stadler zwei der prominentesten BZÖ-Politiker wegen “parteischädigenden Verhaltens“ aus der Partei geschmissen. Am vergangenen Donnerstag beschloss das BZÖ Niederösterreich seine Auflösung.

Am Tag nach dem vergeblichen Parlamentsbesuch des Falter hat das BZÖ bei einem außerordentlichen Parteikonvent in Linz einen Neustart angekündigt, mit dem steirischen Landesparteichef Gerald Grosz als neuem Bundesobmann und zwei völlig Unbekannten als seinen Stellvertretern: Marianne Edlacher ist Gemeinderätin im Kärntner Greifenstein, Florian Heimbucher Gemeinderat im oberösterreichischen Bad Hall.

Die Klubräume im Parlament muss das BZÖ bis kommenden Montag geräumt haben. Alle Gegenstände, die dem Klub gehören, sollen unter den Mitarbeitern versteigert werden, heißt es. Im Laufe der nächsten Wochen werden voraussichtlich – noch verhandeln die Fraktionen, wer welche Räumlichkeiten bekommt – entweder die Neos hier einziehen oder aber das Team Stronach, das die Zahl seiner Abgeordneten verdoppelt hat. So oder so: Das große Jörg-Haider-Porträt, das die Wand des BZÖ-Klubs zierte, wird dann dort wohl nicht mehr hängen.

Falter, 23.10.2013

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