Gute Nachrichten zu Pavillon 15

Im Mai 2013 habe ich im Falter die bis in die 1980er Jahre andauernde Misshandlung und Vernachlässigung von behinderten Kindern im Pavillon 15 des Wiener Krankenhauses am Steinhof (des heutigen Otto-Wagner-Spitals) publik gemacht. Nach viel Verzögern und Verharmlosen und einem fragwürdigen internen Bericht gab Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ)  eine echte Aufarbeitung in Auftrag, im März 2017 wurde das Ergebnis präsentiert: Eine ausführliche Studie des Instituts für Rechts- und Kriminalsoziologie, die die Vorwürfe bestätigte. Jetzt, gut fünf Jahre nach dem ersten Text, sollen die Betroffenen finanzielle Entschädigungen bekommen. Yeah!

Alle Texte zum Pavillon 15 gibt es hier nachzulesen.

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A country hollowed out

Ireland is said to have mastered the financial crisis well, but the country has lost a generation of young, creative people

(A translation of this piece for the German daily paper “Süddeutsche Zeitung”)

A few days ago, Joe Byrne had brunch with a few friends. They do that regularly – they used to meet up in Dublin, now they sit in front of their computers, their webcams turned on: Brenda in Canada, Luke in Hong Kong, Sinéad in Moldova, and Joe at home in Ireland. “About a third of my friends have left Ireland in the last five years”, Joe Byrne says.

Ireland is regarded as a country that has mastered the economic crisis well – as an example for how well the austerity policy prescribed by the European Union, the European Central Bank and the International Monetary Fund works. The country’s economy has indeed recovered slightly after a dramatic slump. But since the crisis started in 2008, young people have been emigrating in droves – and not all of them will return. Read More »

“Sie wollen einfach regieren”

Am Sonntag wählt Ungarn, und der Sieg der Regierungspartei Fidesz unter Ministerpräsident Viktor Orbán steht bereits so gut wie fest. Der Osteuropaexperte Dieter Segert vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien erklärt, warum Fidesz so stark ist und was die Partei eigentlich will.

Interview: Ruth Eisenreich, Elisabeth Gamperl

Herr Segert, Europa blickt besorgt auf Ungarn, das Land zeigt autoritäre Tendenzen, die Wirtschaftslage ist katastrophal, die Arbeitslosigkeit hoch, aber trotzdem steht die Regierungspartei Fidesz in den Umfragen bei etwa 50 Prozent der Stimmen. Wie kommt das?

Dieter Segert: Der große Erfolg von Fidesz ist nur durch die Katastrophe der vorherigen sozialistischen Regierung zu erklären. Die Sozialisten haben in ihren zwei Legislaturperioden alle Sozialreformen zurückgefahren und etwa das Gesundheitswesen kostenpflichtig gemacht. Damit haben sie zugelassen, dass sich eine rechte Partei als die soziale Partei etablieren konnte. Dazu kommen die Korruptionsskandale der Sozialisten – Fidesz hat natürlich alles getan, um die im Gedächtnis der Bevölkerung zu halten. Read More »

Tagebuch aus Istanbul

Magdalena Jöchler und ich wollten Urlaub in Istanbul machen – und landeten mitten im türkischen Frühling

31.5.

21 Uhr. Durch die Strassen Kadiköys auf der asiatischen Seite Istanbuls, wo unser Hostel liegt, ziehen an unserem ersten Abend Grüppchen brüllender, fahnenschwenkender junger Männer. Ein Fußballmatch? Nein, erklärt im Hostel der bärtige Barmann Etham: Die Burschen protestieren gegen das geplante Einkaufszentrum im Gezi-Park und das zunehmend autoritäre Verhalten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan. Read More »

„Es stimmt nicht, dass es keine Alternative gibt”

Als einzige SPÖ-Abgeordnete hat Sonja Ablinger im Parlament gegen den Fiskalpakt gestimmt. Aus diesem Anlass habe ich die „Genossin Gewissen” für den Falter portraitiert. Hier erklärt sie, was sie zu ihrer Entscheidung bewogen hat, warum der SPÖ-Klub nicht immer die Partei repräsentiert und wie Europa die Krise bekämpfen sollte.
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Eine Art Nachruf

„Ein Rotwein und ein Mineral von draußen, Herr Porgesz? Die Karte brauchen Sie nicht, oder?“ Nein, nicht nötig. Die Schrift der Speisekarte ist zu klein für Jancsi Porgesz, da hilft auch keine Brille mehr. Aber das Angebot des Restaurants am Stadtrand von Wien hat er sowieso im Kopf. Das Hirschragout bitte, aber mit Petersilkartoffeln statt Serviettenknödeln, mit viel Saft und extra Brot. Geduldig notiert der Kellner die Sonderwünsche des langjährigen Stammgastes. Beinahe fünfzig Jahre ist es her, dass Porgesz zum ersten Mal hier war. Äußerlich hat er sich wenig verändert: Anzug, Pullunder, Krawatte, damals wie heute. Nur die große, eckige Brille mit dem dunklen Rahmen, die seine Erscheinung so lange prägte, ist verschwunden, und die Geheimratsecken haben sich zu einer Halbglatze ausgedehnt. Nach dem Tod seiner Frau vor zehn Jahren kam Porgesz immer häufiger ins Restaurant, mittlerweile isst er täglich hier zu Mittag. Mit 91 Jahren sucht Porgesz keine Abwechslung mehr – davon hatte er in seinem Leben genug. Read More »

Die verschwundenen 726 Euro

Seit Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) ihr Drei-Säulen-Modell zur Studienfinanzierung präsentiert hat, ist die Debatte um die Studiengebühren neu entbrannt: Karls Modell sieht ihre Wiedereinführung vor. „Die SPÖ hat die unsozialen Studiengebühren mit gutem Grund abgeschafft“, sagt SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas dazu, und laut dem Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, „löst die Wiedereinführung von Studiengebühren die finanziellen Probleme der Universitäten nicht“. BZÖ-Wissenschaftssprecher Rainer Widmann hingegen unterstützt Karl: „Wenn nicht sofort wieder Studiengebühren eingeführt werden, drohen den heimischen Studierenden massive Nachteile“, fürchtet er.

Was haben all diese Politiker gemeinsam? Ob sie der Regierung oder der Opposition angehören, ob sie für oder gegen ein kostenpflichtiges Studium sind: Einstimmig behaupten sie, dass es in Österreich zur Zeit keine Studiengebühren gibt. Read More »