Wie kontert man sexistische Stammtischsprüche?

Frauen wollen ja gar keine Führungspositionen.“ „Mittlerweile werden Männer diskriminiert.“ „Der Gender Pay Gap ist ein Mythos.“ „Ich bin für Humanismus, nicht Feminismus.“ Und natürlich: „Sei nicht so sensibel!“. Sprüche wie diese kennt wohl jede Frau. Aber wie kann man ihnen begegnen?
Diese Frage will das Buch „No More Bullshit – Das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten“, herausgegeben vom österreichischen Frauennetzwerk „Sorority“, beantworten. Verschiedene Autoren und Autorinnen setzen sich in dem poppig gestalteten Buch mit 15 Stammtischparolen auseinander: mal mit nützlichem Faktenwissen, mal mit mehr oder weniger witzigen Rants oder Forderungskatalogen an jene, die so ein Buch sowieso nie lesen würden.
Melinda Tamás ist Forscherin und Trainerin in Wien. Sie beschäftigt sich unter anderem mit politischer Bildung und Antidiskriminierung, bietet Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen an. Sie schrieb ein Kapitel von „No More Bullshit“, in dem es darum geht, wann und wie man dumme Sprüche kontern soll und kann.

jetzt: Melinda, wann musstest du zum letzten Mal selbst einen sexistischen Spruch abwehren?
Melinda Tamás:
Vor einem Jahr habe ich eine neue Stelle bekommen, auf die ich sehr stolz war, eine Leitungsfunktion in einem Weiterbildungsinstitut. Ein männlicher Kollege dort hat zu mir gesagt, er freue sich sehr, dass ich hier arbeite, weil er jetzt endlich was Schönes zum Anschauen habe.

Wie hast du reagiert?
Ich war ziemlich perplex. Ich habe dann benannt, dass ich das sexistisch finde, und habe es später auch Kolleginnen erzählt, um das Problem aufzuzeigen. Aber es war schwierig – ich war neu an diesem Institut, der Kollege war schon länger dort. Weiterlesen auf jetzt.de

jetzt.de, 25. November 2018

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“Menschen wie Sie haben keine Ahnung!”

Die Sexarbeiterin Josefa Nereus ist wütend: Sie findet das seit einem Jahr geltende Prostituiertenschutzgesetz verlogen. Der Hamburger Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg hat es mit auf den Weg gebracht. Er hält es für notwendig. Ein Streitgespräch.

Von Ruth Eisenreich und Luisa Hommerich

Vor einem Jahr ist das umstrittene Prostituiertenschutzgesetz in Kraft getreten. Marcus Weinberg, der frauenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat das Gesetz mit entwickelt, die Sexarbeiterin Josefa Nereus ist davon direkt betroffen. Weiterlesen auf Zeit Online

Die Zeit, 5. Juli 2018

Die Männinnen

Eine jahrhundertealte Tradition erlaubt es albanischen Frauen, sich für ein Leben als Mann zu entscheiden. Mit allen Rechten und Pflichten, mit vielen Freiheiten – aber ohne Liebe.

Die Bäume an den Berghängen um das Dorf Xhuxhë leuchteten rot und golden, als Nushe Vorfi ihrer Cousine eine Schere in die Hand drückte. Die zögerte, weigerte sich: Vorfis Haare waren so schön, so lang, sie reichten der jungen Frau bis zu den Ellenbogen. Doch dann gab die Cousine nach. Eine erste braune Strähne fiel auf die Terrasse vor dem Haus, dann noch eine und noch eine. Als auf dem Kopf nur noch wenige Zentimeter übrig waren, trug Vorfi ihre, nein, seine abgeschnittenen Haare auf ein nahes Feld und verbrannte sie. Die Cousine hatte Vorfi an diesem Nachmittag zum Mann gemacht.

Nush Vorfi ist klein, 1,60 Meter vielleicht. Das karierte Kurzarmhemd flattert um einen flachen Oberkörper, darunter leicht taillierte Jeans mit künstlich abgewetzten Stellen, die Füße in schwarzen Plastikschlappen. Ein kantiges, sonnengebräuntes Gesicht, kurze Haare und breite Schultern. Dazu kräftige Hände, die Fingernägel sind sehr weit zurückgeschnitten. Vorfi ist 38, aber er wirkt mindestens zehn Jahre älter, sein faltiger, zerfurchter Hals könnte einem 90-Jährigen gehören. Vorfi spricht nur ungern über seine Gefühle, ein albanischer Mann tut das nicht. Aber was er in dem Moment empfunden hatte, in dem seine Haare fielen, auf der Terrasse an einem Herbstnachmittag des Jahres 1994, das weiß er heute noch: Erleichterung. Und Befreiung. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 27.1.2018

A belated fight

Ireland has the EU’s strictest abortion laws. Now, resistance is growing.

(A translation of this piece for the German daily paper “Süddeutsche Zeitung”. The trip to Ireland was made possible through a grant by the Karl Gerold Foundation.)

Tara Flynn makes a living off being funny. She writes columns and books, she acts in comedy series, she’s being invited to radio shows. But at her most important public appearance in recent months, on a sunny autumn afternoon in a park in Dublin, her voice broke, and nobody laughed. It was the start of the March for Choice, a pro-choice demonstration. “I had an abortion”, Tara Flynn said. “I am not a murderer. I am not a criminal.” With her appearance, she put herself at the forefront of a fight that has long been settled in most of Europe, yet is only just starting in Ireland.Read More »

Später Kampf

Nirgendwo in Europa sind die Abtreibungsgesetze so scharf wie in Irland. Jetzt wächst der Widerstand. Zu Besuch bei Aktivisten.

Tara Flynn lebt vom Witzigsein. Sie schreibt Kolumnen und Bücher, spielt in Comedyserien mit, wird in Radioshows eingeladen. Aber bei ihrem wichtigsten Auftritt der vergangenen Monate, in einem kleinen Park in Irlands Hauptstadt Dublin, da lachte niemand, und Flynn brach die Stimme weg. “Ich habe abgetrieben”, sagte sie zum Auftakt des March for Choice, einer Demonstration für das Recht auf Abtreibung. “Ich bin keine Mörderin, ich bin keine Kriminelle.” Sie stellte sich mit ihrem Auftritt an die Spitze eines Kampfs, der im Großteil Europas längst entschieden ist und in Irland gerade erst beginnt. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 31.3.2016
Die Recherchereise für diesen Text wurde von der Karl-Gerold-Stiftung bezahlt.

 

Schlechte Zeiten, gute Zeiten

Marianne Schwarzmüller arbeitete zunächst für die Nazis, dann diente sie dem demokratischen Bayern. Sogar an der Entstehung der Verfassung war sie beteiligt.

Als die Zeitungen und die “Wochenschau” noch vom Endsieg fantasierten, da wusste Marianne Schwarzmüller schon, dass Deutschland den Krieg verlieren würde. Täglich las die junge Frau Anfang der Vierzigerjahre die “Feindpresse” – die Times, den Figaro, die Prawda. Nicht heimlich, sondern offiziell im Auftrag des Dritten Reichs. Mit 16 Jahren hatte sie im März 1941 ihre Stelle als Stenotypistin in der “Nachrichtenstelle”, also der Propaganda-Abteilung, der bayerischen Landesregierung angetreten. “Ich bin überhaupt nicht gefragt worden”, sagt sie, “die haben mich ausgesucht.”

Vier Jahre lang arbeitete Schwarzmüller für die Nazis. Mit dem Einmarsch der Amerikaner in München am 30. April 1945 endete diese Phase ihres Lebens – aber nicht ihre Arbeit für die bayerische Regierung. Ihr ganzes Berufsleben, nach Kriegsende noch fast 40 Jahre, sollte sie in der Staatskanzlei bleiben, die Entstehung der bayerischen Verfassung miterleben und die Beratungen über das Grundgesetz; als sie in Rente ging, hieß ihr oberster Vorgesetzter Franz Josef Strauß. Weiterlesen auf sueddeutsche.de

Süddeutsche Zeitung, 29.4.2015

Räuberinnenleiter

Immer noch wird Politik in Österreich vor allem von Männern gemacht. Der Aufstieg der Frauen an die Macht geht nur langsam voran.

Platz 122, sechste Reihe, Plenarsaal, Parlament. Ein schwerer Lederstuhl, nicht anders als die ringsum. Ein Platz mitten im Zentrum der politischen Macht des Landes. Hier sitzt Elisabeth Hakel, 35 Jahre alt, lange blonde Haare, blaue Bluse. Es sind ihre letzten Monate. Wenn im Herbst der neue Nationalrat gewählt wird, ist es wohl vorbei. Dann sitzt vermutlich auf Platz 122 wieder ein Mann. Er heißt Wolfgang Moitzi, ist genauso wie Hakel aus der Steiermark. Max Lercher, Reformkoordinator der steirischen SPÖ, hat den Chef der Sozialistischen Jugend vorgeschlagen und auf den dritten und letzten aussichtsreichen Listenplatz für die Wahl gesetzt.

Am Tag nach der Parteientscheidung sitzt Hakel in der Cafeteria des Parlaments. Ihr starrer Blick lässt ihren Frust erahnen. „Eine Männerpartie hat mich übers Messer springen lassen“, sagt sie. Was wie ein Zufall klingt oder ein politisches Manöver verschiedener Bezirksorganisationen, ist für sie symptomatisch. Ein Mann hilft einem Mann. Die Konsequenz daraus: Der Frauenanteil in der Politik wurde wieder ein kleines bisschen verringert.

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