Genossin Gewissen

Sonja Ablinger hat beim Fiskalpakt gegen die Parteilinie gestimmt. Es war nicht das erste Mal

Sonja AblingerEs ist eine riesige Portion Salat mit Hühnerstreifen, die der Kellner im Café Lentos am Linzer Donauufer vor Sonja Ablinger hinstellt. “Wollen Sie etwas davon?“, fragt die Nationalratsabgeordnete und muss lachen: “Wir Sozialdemokraten teilen eben alles.“

Ablinger, 46, ist Sozialdemokratin durch und durch. Sie kommt aus einer roten Familie, engagiert sich seit ihrer Jugend in der SPÖ, und wenn sie von den Grundwerten der Partei spricht, gerät sie ins Schwärmen.

Doch vor kurzem hat sie deren Zorn auf sich gezogen. Read More »

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“Du bist jetzt das Alpenmädel!“

Die große Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi, 80, über Kommunismus, Adel, Machos und ihre Heimat

Interview: Ruth Eisenreich, Sibylle Hamann

Adelsspross, Flüchtlingskind, Chronikreporterin, Korrespondentin, Osteuropa-Expertin, Deutschlehrerin, Vermittlerin zwischen Kulturen: Barbara Coudenhove-Kalergis bewegtes Leben ist eng mit der mitteleuropäischen Zeitgeschichte und der des österreichischen Journalismus verknüpft. Zu ihrem 80. Geburtstag lud sie den Falter zum Interview. Read More »

“Gläubig, aber mit dem Bodenpersonal nicht zufrieden”

Im letzten Teil der Reihe „Erzählen Sie mir“ spricht Gertrude Laufer über ihre Arbeit für die Amerikaner, staubsaugende Männer und den Sinn des Militärdienstes.

NU: Frau Laufer, Sie waren von 1939 bis 1947 im Exil in Shanghai. Wie war die erste Zeit zurück in Wien?

Laufer: Wir haben vier Monate lang in einem Hotel im zweiten Bezirk gewohnt, bis meine Eltern ihre Wohnung zurückbekommen haben. Ein Jahr später haben sie auch ihr Geschäft, ein Parfümeriegeschäft, zurückbekommen. Read More »

“Es gibt wenige gute Menschen”

In Teil drei der Reihe „Erzählen Sie mir“ erzählt Susanne Guttmann von Glauben, Tradition und dem Unterschied zwischen Männern und Frauen.

NU: Sie sind 1939 nach Shanghai geflüchtet. Wie haben Sie dort gelebt?

Guttmann: Wir hatten nicht die Absicht zu bleiben. Wir haben ein Affidavit nach Amerika eingereicht – aktuell ist das im 1953er-Jahr geworden! Wir sind in ein internation camp gekommen. Ich habe das als Achtjährige nicht als so furchtbar empfunden. Ich habe geglaubt, das gehört so, dass man keine Schuhe und keine Toilette hat. Read More »

“Wir wollten Österreich retten”

Teil zwei der Reihe „Erzählen Sie mir“: Edith Wein (86) erzählt über die Selbstverständlichkeit, mit der sie nach dem Krieg Österreich wieder aufbauen wollte. Und die harte Realität als alleinerziehende, geschiedene Mutter zweier Söhne.

NU: Sie sind 1938 mit 14 Jahren nach England geflohen. Wie war Ihre erste Zeit dort?

Wein: Eine Engländerin, die Kundin im Modesalon meiner Mutter war, hat mich in Darlington, im Norden Englands, in ein College für Mittelstandskinder eingeschrieben. Wir haben Wäscherei gehabt, Kochen, aber auch andere Fächer. Es war nicht einfach, sich in dem Alter in einem englischen College zurechtzufinden, aber ich habe sehr viel davon profitiert. Ich habe einige gute Freundinnen gehabt. Eine davon, die Rosemary, habe ich vor ungefähr zehn Jahren gesucht, wir haben uns dann in London getroffen und sind noch immer in Kontakt. Read More »

Von fremden Ländern, enttäuschten Erwartungen und offenen Mistkübeln

Über die Schrecken der Nazizeit haben ältere jüdische Frauen wie Hansi Tausig immer wieder berichten müssen. In der neuen NU-Gesprächsreihe „Erzählen Sie mir“ erzählen sie einer um beinahe siebzig Jahre Jüngeren von der Zeit nach 1945.

NU: Sie sind 1946 aus England nach Österreich zurückgekommen. War für Sie von Anfang an klar, dass sie zurückwollen?

Tausig: Bei Kriegsschluss war ich schon entschlossen, da war ich schon in der Organisation und darauf vorbereitet.

Was für eine Organisation?
Young Austria. Das war eine Organisation von Jugendlichen, und die Ausrichtung war „Zurück nach Hause“. Also erst einmal österreichische Kultur verbreiten bei englischen Jugendlichen: Wir hatten eine Spielgruppe und einen Chor, wir haben österreichische Klassiker gespielt, waren zu vielen Jugendclubs eingeladen und haben dort über Österreich gesprochen, ein paar Lieder gesungen, volksgetanzt, … Das war im Großen und Ganzen die Vorbereitung. Read More »

Technikerinnen unter sich

Einige deutsche Universitäten bieten technische Studien speziell für Frauen an

von Ina Ho Yee Bauer und Ruth Eisenreich

Wien/Berlin – “Elektrotechnik? Ein Mädchen?” Reaktionen wie diese bekommt Jovana Popovic (24) häufig, wenn sie von ihrem Studium erzählt. Nur einer von 25 Elektrotechnik-Absolventen sei weiblich, erzählt Brigitte Ratzer, Leiterin der Frauenförderung an der Technischen Universität Wien. Ähnlich sehe es in vielen technischen Fächern aus; trotz Förderungsinitiativen ändere sich die Situation nur langsam.

Um dieses Problem zu lösen, bieten einige deutsche Hochschulen nach US-amerikanischem Vorbild technische Studiengänge nur für Frauen an. An der JadeHochschule Wilhelmshaven können sich angehende Wirtschaftsingenieurinnen seit 1997 aussuchen, ob sie ihre ersten drei Semester in einer gemischten Gruppe oder unter Frauen absolvieren wollen. Vor Einführung des Frauenstudiums seien hier pro Jahr ein bis zwei Frauen auf 45 Männer gekommen, erzählt Studiengangsleiterin Ulrike Schleier. Mittlerweile hätten das gemischte und das Frauenstudium zusammen einen Frauenanteil von fast 30 Prozent. Das Curriculum und das Abschlusszeugnis seien in beiden Studien gleich: “Auch wenn wir es nach außen hin einen eigenen Studiengang nennen, ist es juristisch nur eine Teilung innerhalb einer Gruppe von Studenten.”

Im Gegensatz dazu ist das seit 2009 bestehende Studium “Informatik und Wirtschaft” an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ganz offiziell ein reines Frauenstudium. Im Curriculum werde mehr Wert auf Wirtschaft und Soft Skills gelegt als in vergleichbaren Studien, erklärt Professorin Juliane Siegeris: “Frauen haben Interesse daran, dass beim Informatikstudium eine Anwendung dabei ist.” Trotzdem handle es sich um kein “Informatik light”-Studium: “Objektiv von den Inhalten und Dozenten gibt es keinen Unterschied.”

PC einschalten für Anfänger

Dennoch sind die Studentinnen oft mit Vorurteilen konfrontiert: “Informatik für Frauen, lernt man da, wie man einen PC einschaltet und Kochrezepte raussucht?”, wurde die Informatik-und-Wirtschaft-Studentin Sabrina Altmann von Freunden gefragt.

Wozu brauchen Frauen nun überhaupt ein eigenes Studium, wenn sie technisch gleich begabt sind wie Männer? “Frauen denken oft, dass sie nicht in ein technisches Studium gehören. Wir wollen ihnen ein Sprungbrett bauen”, erklärt Schleier. Dass es im späteren Berufsleben Unterschiede zwischen Absolventinnen von gemischten und Frauenstudien gibt, glaubt sie nicht – Frauen hätten generell immer noch schlechtere Berufsaussichten als Männer.

Wäre ein Frauenstudium auch in Österreich vorstellbar? “Im Moment ist der politische Wille dafür nicht da”, meint Doris Kapeller von Peripherie, dem Institut für praxisorientierte Genderforschung. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl kennt die Idee jedoch gar nicht; sie findet sie “spannend” und will sich informieren. Ratzer, der zufolge die – aus dem normalen Uni-Budget bezahlten – deutschen Studiengänge “hervorragend” umgesetzt sind, fände einen Frauenstudiengang in Österreich aber nur bei entsprechender Finanzierung sinnvoll. Ein schlecht ausgestattetes Studium wäre “ein Schuss ins Knie”, befürchtet sie: “Das wird dann als Sonderprogramm für Frauen eingestuft, die für ein richtiges Studium zu deppert sind.”

Sie fragt sich, ob in Österreich überhaupt Nachfrage besteht: “Junge Frauen lehnen frauenspezifische Maßnahmen zunehmend als Sonderbehandlung ab.” Popovic bestätigt das: Sie glaubt, dass Frauenstudien mehr Frauen in die Technik bringen würden; selbst würde sie aber keines belegen

Der Standard, 25.11.2010