Fast wie bei der NASA

Wiener Studenten bauen Raketen. Die nächste soll diese Woche starten

Die Sekundenbruchteile, in denen er den roten Knopf drückte, fühlten sich für Michael Rußwurm an wie eine kleine Ewigkeit. Noch einmal rasten ihm die vielen Arten durch den Kopf, wie die Sache schiefgehen könnte. Dann war die Rakete in der Luft, der Fallschirm ging auf. Erleichterung.

Beinahe ein Jahr ist es nun her, dass Rußwurm und seine Kollegen vom Space Team der Technischen Universität Wien auf dem militärischen Testgelände Biscarrosse im Südwesten Frankreichs ihre letzte Rakete abschossen. Dort findet alljährlich Ende August das “C’Space“ statt, das internationale Treffen an Weltraumtechnik interessierter Studenten. Es wird vom “Centre national d’études spatiales“, dem französischen Teil der europäischen Raumfahrtagentur ESA, gefördert und “wie das richtige Weltraumprogramm der ESA aufgezogen“, sagt Space-Team-Obmann Dominik Kohl.

Kohl, 25, Elektrotechniker und Projektassistent an der TU, ist seit dem Start im Wintersemester 2010 bei der Wiener Weltraumgruppe. In wechselnder Besetzung bastelt man jedes Jahr eine neue Rakete, derzeit besteht das Team aus etwa zwölf Männern. Frauen sind im Moment keine dabei, “da entsprechen wir leider einem Querschnitt der TU“, sagt Maschinenbaustudent Rußwurm, 26. Sponsoren stellen dem Team Material zur Verfügung, gearbeitet wird in Räumen der TU Wien.

In einer Werkstatt der TU im dritten Bezirk etwa, oder auch im Projektassistentenbüro von Dominik Kohl. Auf seinem Tisch liegen Platinen, auf das Whiteboard hat jemand Schaltpläne gekritzelt. In der Ecke steht eine gut zwei Meter lange schwarze Röhre mit gelber Spitze – die Rakete “STR-02“, die das Space Team vor einem Jahr in den Himmel über Frankreich schoss, “bemannt“ mit einer Kamera und einem Lego-Astronauten. Der habe die beiden bisherigen Flüge fast unbeschadet überstanden, erzählt Manuel Schleiffelder, Philosophie-Absolvent, EDV-Techniker, Hausmann und mit 34 der Älteste im Space Team. “Nur der Helm ist einmal runtergeflogen.“

Der Großteil der Arbeit für die diesjährige Rakete, die “STR-03“, geschieht am Computer, TU-Studenten verschiedenster Fachrichtungen und auch Externe wie Schleiffelder arbeiten zusammen. “Das Space Team ist eine der wenigen Chancen, an der Uni interdisziplinär zu arbeiten“, sagt Rußwurm. Gearbeitet werde einige Stunden pro Woche, in der Zeit vor dem Abflugtermin auch “lange Nächte und Wochenenden“.

Neben der Rakete arbeitet das Space Team auch an anderen Projekten, derzeit etwa gemeinsam mit der Fachhochschule Wiener Neustadt an einem kleinen Satelliten. Er soll der erste, ausschließlich in Österreich gebaute Satellit sein, sagt Rußwurm. Voraussichtlich ab 2015 soll er eine Schicht der Atmosphäre erforschen, die für normale Satelliten zu niedrig, für Ballons aber zu hoch sei und über die es daher kaum Datenmaterial gebe.

Irgendwann zwischen dem 26. und dem 29. August – der genaue Termin wird erst vor Ort festgelegt – soll die “STR-03“ starten. Dann werden Kohl, Rußwurm, Schleiffelder und ihre Kollegen wieder in Biscarrosse stehen, alle Abläufe noch einmal simulieren, den Veranstaltern die Mechanik ihres Fallschirms vorführen und deren mehrseitige Checkliste durchgehen. Sie werden auf das Display mit den roten und grünen Balken starren, den auf Französisch gezählten Countdown hören, und einer von ihnen wird auf den roten Knopf drücken.

Mit 1000 Kilometern pro Stunde soll die neue Rakete dann bis in 1800 Meter Höhe aufsteigen. Sie könne noch höher fliegen, sagt Schleiffelder, “aber dafür müssten wir nach Nevada in die Wüste fahren“. Weil in Frankreich höchstens zwei Kilometer Raketenflughöhe erlaubt sind, muss das Team den Höhenflug der “STR-03“ mit eingebauten Gewichten dämpfen.

Falter, 21.8.2013

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Fast wie bei der NASA

Kann das Bundesheer Doktortitel kaufen, Herr Mayer? – Telefonkolumne

Die künftigen Absolventen des Generalstabslehrgangs des Bundesheers dürfen sich Doktor nennen. Für den PhD-Lehrgang in Kooperation mit der Juridischen Fakultät der Uni Wien zahlt der Generalstab 500.000 Euro. Kein Titelkauf, sagt Heinz Mayer, Dekan der Fakultät.

Herr Dekan, was müssen die angehenden Generäle für ihren Doktor leisten?

Sie müssen ein Doktoratsstudium mit Lehrveranstaltungen wie “Humanitäres Völkerrecht“ und “Ethik des Militärischen“ leisten und eine Dissertation schreiben wie unsere Doktoranden auch. Der einzige Unterschied ist, dass das Vorstudium und auch das PhD-Studium nicht rein juristisch sind.

Was wird von den 500.000 Euro gezahlt?

Eine vollausgestattete Professur. Ein Kollege wird das PhD-Studium hauptamtlich betreuen und auch Mitarbeiter zur Verfügung haben.

Gibt es weitere solche Kooperationen?

An der Rechtswissenschaftlichen Fakultät nicht, in anderen Bereichen kann ich es nicht ausschließen. Viele unserer Professoren unterrichten an Fachhochschulen, an der Sicherheitsakademie des Innenministeriums. Ich glaube, auch dort strebt man eine Kooperation mit einer Universität an.

Laut Verteidigungsministerium ist die Kooperation rechtswidrig. Sie sind ja selbst Jurist …

Von unserer Seite aus ist es sicher rechtskonform, weil es zu Aufgaben der Universität gehört, in die Gesellschaft hineinzuwirken. Dank Autonomie können wir solche Vereinbarungen schließen. Wie weit das von seiner Seite rechtskonform ist, muss das Ministerium beurteilen, aber ich habe da überhaupt keine Bedenken.

Mehrere Medien schrieben “Bundesheer kauft Doktorlehrgang“. Schadet das nicht dem Ansehen der Uni Wien?

Die Formulierung ist eine bösartige Unterstellung. Da gibt es nichts zu kaufen, das ist eine normale Kooperation zwischen zwei Bildungseinrichtungen, die beiden etwas nützt.

Falter, 26.6.2013

Kann das Bundesheer Doktortitel kaufen, Herr Mayer? – Telefonkolumne

Muss Wissenschaft für Frauen pink sein, Herr Jennings? – Werbekolumne

Im Charlie’s-Angels-Stil posieren die drei Frauen in High Heels und Minikleid, sie räkeln sich vor pinkfarbenen Hintergründen, verteilen Luftküsse, beißen lasziv in die Bügel ihrer Sonnenbrillen, ein Mann im Laborkittel schaut von seinem Mikroskop auf, einer Pipette entsteigt Dampf, ein Tropfen rosa Nagellack zerplatzt in Großaufnahme.

“Science: It’s a girl thing“ steht am Ende des schnell geschnittenen Clips, das “i“ in “Science“ bildet ein rosa Lippenstift. Darunter: das Logo der Europäischen Kommission. Die wollte mit dem Video eigentlich junge Frauen für Wissenschaft interessieren – doch die Reaktionen waren fast durchwegs negativ. Die Kommission reagierte schnell und zog den Spot zurück.

“Das Video war nur ein kleiner Teil der Kampagne“, erklärt Michael Jennings, Sprecher der zuständigen EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft. Ab Herbst soll es Veranstaltungen in diversen EU-Ländern geben; auf der Website science-girl-thing.eu finden sich Beschreibungen verschiedener “Dream jobs“, “Six reasons science needs you“, ein “Discover your inner researcher“-Quiz und Videoprofile von Wissenschaftlerinnen.

Entwickelt wurde die Kampagne – nicht aber der Spot – mithilfe von Gender- und Kommunikationsexperten und einer qualitativen Studie unter zwölf- bis 18-jährigen Mädchen. “In den Fokusgruppen haben die Mädchen gesagt, sie wollen etwas, was direkt auf sie zielt und Wissenschaft mit ihrem realen Leben verbindet“, erklärt Jennings die Entstehung des Videos.

Falter, 4.7.2012

Mittlerweile gibt es übrigens diverse Spoofs zu dem Video, etwa diesen hier:

Muss Wissenschaft für Frauen pink sein, Herr Jennings? – Werbekolumne